Vorbilder
der unterschätzte Motor unseres Handelns

Es ist Samstag, manch einer würde sagen, ein Tag wie jeder andere – doch etwas macht diesen Tag besonderer als die Tage davor, als die Samstage davor… 

Ich habe bereits beim Anschauen des Film-Covers feuchte Hände, ist das wirklich ein Mensch, der einen gigantischen Berg hinaufklettert, ohne Seil? „Wahrscheinlich wieder eine dieser Foto-Montagen“ dachte ich noch als die ersten Minuten der Doku angelaufen waren. Bis heute ist mir noch nicht klar, wie ich mit meiner latenten Höhenangst diesen Film überhaupt überstehen konnte – hatte ich mir unter „Free Solo“ anfangs auch etwas anders vorgestellt.

Ein Mann ist seiner Passion so verfallen, dass er alles neben sich vergisst, nicht darüber nachdenkt, ob es gefährlich ist. Strebsam, unaufhaltsam, kontinuierlich eine Hand nach der Anderen, ein Fuß nach dem Anderen, seinem Ziel immer ein Stück näher kommend.

Alex ist sicher ein besonderer Mensch – das sind wir auch, du bist ein ganz besonderer Mensch – nur vielleicht nicht so. Du kletterst vielleicht nicht den „El Capitan“ ohne Seil hoch bis du auf 2307 Metern oben angekommen bist. 

Alex macht das! Ohne diese Umsetzung seines Verständnisses vom Sinn des Lebens, wäre er sicher nicht so in seiner Mitte, voller Emotion und befreit von Angst den nächsten Schritt zu machen.

Ich möchte dir hier nicht jede Einzelheit des Films erzählen und auch nicht empfehlen, morgen den nächsten Berg ohne Seil zu erklimmen. Nur so viel: dieser Film hat mich fasziniert, der Protagonist wurde für mich in dem Moment zum Vorbild als ich ihm dabei zusah, wie er seinem Ziel Schritt für Schritt entgegen ging, ohne daran zu zweifeln, es sei der richtige Weg; ohne Zweifel, sein Ziel zu erreichen. 

Seine Emotion wurde zu meiner Emotion – mit feuchten Händen vor dem Bildschirm dachte ich “danke für diese Inspiration“- die Inspiration dafür mein Ziel immer erreichen zu können, sei es auch noch so verrückt und unerreichbar, ich schaffe es, wir schaffen…du schaffst es!! 

Wer ist ein Vorbild für dich ?

Es gibt so viele Vorbilder, Menschen oder auch Figuren, denen wir folgen wollen. Ist es ein Held in einer Doku, eine Comic Figur aus einem Film, vielleicht ein Avenger; möglicherweise ist es dein Mentor, deine Führungskraft, ein Freund, eine Freundin – deine Mutter, dein Vater?! Sicher gibt es da jemanden, den du bewunderst. Bei dem du dir wünscht genauso zu sein, dem du an den Lippen klebst und am liebsten für immer an seiner Energie teilhaben möchtest. Unser innerer Motor wünscht sich so manches, um uns voranzutreiben. 

Oft geht es mit der Befriedigung von Grundbedürfnissen einher. Kontrolle, Kohärenz, Selbstwerterhalt und Liebe – ja, wir wollen geliebt werden, doch wollen wir auch jemanden lieben, zu einer Person aufschauen! An dieser Stelle möchte ich dir eine kurze Möglichkeit der Reflektion geben: An wen denkst du gerade? An was denkst du überhaupt? Wie sehr dockt dieses Thema bei dir an?

Für mich war das alles immer Hokuspokus – wie bitte soll eine andere Person einen positiven Einfluss auf meinen inneren Motor haben oder mich gar zu Höchstleistungen antreiben?! Irgendwann bin ich sogar mal gefragt worden, ob es eine Führungskraft gäbe, der ich bindungslos folgen würde. Spätestens da musste ich schmunzeln, ging doch mein Verständnis von Führung und das vorherrschende Verständnis in meiner Firma sehr stark auseinander. 

Allerdings darf ich dir sagen, dass ich nicht erst „Free Solo“ schauen musste, um mich von Gegenteil überzeugen zu lassen. Heute sind es auch Führungskräfte in meiner Firma, die mich begeistern, Freunde und ja ich liebe die Avengers (wer sie nicht kennt, bitte mal Googlen). Für mich ist das etwas abhängig von der Situation; nicht jedes Vorbild gibt mir immer zur gleichen Zeit die gleiche Energie – wenn ich Blog schreibe, könnte ich zum Beispiel keinen Film von den Avengers schauen, sondern höre immer Musik von Ed Sheeran. 

Spätestens jetzt habe ich dich wahrscheinlich total verwirrt – „der Chris hört Ed Sheeran und Justin Bieber und ich soll mich von ihm coachen lassen?!“

Wen das Thema Vorbilder noch nicht ganz überzeugt hat, dem möchte ich noch eine andere Sicht geben, warum wir die erfolgreichen Geschichten von anderen Menschen so sehr lieben – und uns davon inspirieren lassen. Oft ist es die Geschichte dahinter, die uns wirklich fasziniert, der Spannungsbogen, der beim Aufbruch in ein neues Abenteuer entsteht, das Mitfiebern bei den Herausforderungen und dem Meistern dieser. Der Wunsch mitzuerleben, wie der Held am Ende sein Ziel erreicht. Zufrieden, glücklich und ein Stück reifer ist – getragen von der Identifikation mit dem Helden wird hier eine Emotion frei, die dich zu allem fähig macht. 

Wie funktioniert das genau? Nun, vieles ist Emotion, Energie in Bewegung, die tief in deinem Herzen entsteht, auf der rationalen Ebene gibt es hier eine starke Analogie zur Heldenreise – und wer jetzt denkt „oh man, jetzt driftet er ganz ab“ – die Heldenreise ist wichtiger Bestandteil des Storytellings und wird heute in vielen Unternehmen als wichtiger Bestandteil des Change-Managements genutzt.

Die Heldenreise

Hier eine kurze Skizzierung der Heldenreise und eine wunderbare Abbildung zur Veranschaulichung einer mögliche Veränderungssituation: 

Den Menschen, die diese Reise verkörpern, sind wir bereit zu folgen. Manchmal nennen wir sie Vorbilder, manchmal sind es Helden, manchmal ist es deine Führungskraft, dein Freund, deine Freundin, deine Mutter, dein Vater. Sie alle können unseren Motor in Gang setzen und unser Handeln vorantreiben. Genauso wie diese Menschen bist auch du ein Vorbild oder ein Held in der Geschichte einer anderen Person. Das Bewusstsein darüber darf dich stolz machen – du bist ein wunderbarer Mensch, Motor von vielen anderen Menschen – auch wenn du nicht ohne Seil einen hohen Berg hinaufsteigst. So wie du Vorbilder hast, kannst du auch ein Vorbild sein – die Macht eines Vorbilds unser Handeln in Bewegung zu setzen ist unbeschreiblich groß.

Ich freue mich auf deine Reflektion zu diesem Text. Hinterlasse gerne einen Kommentar unter dem Beitrag oder auf Instagram.

Dein Chris